Mein Baltrum

Baltrum-Urlaub

Wenn mich jemand fragt, warum ich so gerne nach Baltrum fahre, dann muss ich immer lächeln. Doch da die Frage von Menschen kommt, die noch nie da waren, können sie ja nicht wissen warum.
Es ist so, dass ich schon von Leuten gehört habe die einmal auf Baltrum waren und nie wieder dorthin wollten, weil es ihnen zu ruhig war(...). Man sagt ja, und es ist gewiss auch so, dass die Geschmäcker verschieden sind. Wer jedoch meint, Baltrum sei zu ruhig, der wird sich wohl nie die Zeit nehmen die wunderschönen Dinge dieser Erde zu sehen.

Wenn es also jemand wissen will, warum ich immer wieder auf 'meine' Insel muss, dann erzähle ich folgendes:
Endlich Urlaub!!! Am Abend vor der Abfahrt wird der Koffer gepackt. Das dauert nie lange, denn es ist schon Routine was hinein gepackt wird. Dann versucht man zu schlafen, doch vor lauter Vorfreude wird nicht viel davon. Endlich ist es Zeit aufzustehen und schon geht´s los. Rauf auf die Autobahn...runter von der Autobahn...durch die Dörfer nach Neßmersiel. Und wenn man dann über den Deich fährt und den Hafen sieht (bei klarer Sicht auch die Insel) fängt es im Magen wie verrückt zu kribbeln an, ich lache laut auf vor Freude und rufe: "Da ist sie!"
Schnell wird noch der Wagen abgegeben und dann lässt man alles hinter sich. Schon die Atmosphäre während der Überfahrt mit einer der Baltrum-Fähren ist genial. Alle sind entspannt und gut drauf! Jetzt gibt es erstmal einen steifen Grog (wir fahren meistens zur kalten Jahreszeit) und man genießt die Fahrt vorbei an der Seehundbank (Norderney) in dem Wissen was einen erwartet.
Wenn die Fähre anlegt, geht das Kribbeln im Bauch wieder los!!! Wir werden immer herzlich begrüßt und schon sieht man auch die ersten bekannten Insulanergesichter. Es ist als würde man nach Hause kommen. Es klingt vielleicht komisch, aber so wie man auf der Insel ist, strömt diese Ruhe in einen hinein und selbst wenn wirklich viele Menschen am Hafen sind, gibt es keine Hektik. Jeder schnappt sich sein Gepäck und zottelt los - herrlich!!!
Wenn wir in unserer Unterkunft -bei Familie Küper im Hus Hörn van Diek- angekommen sind, dann ist das auch immer ein Gefühl von 'Heimat'. Unser Zimmer mit Blick auf die wundervolle See ist einfach 'heimelich'.
Die Koffer sind noch schneller ausgepackt als eingepackt und es geht gleich raus an die Luft. Erstmal schauen was es so 'Neues' gibt. Wenn wir nichts entdecken, dann erzählt uns aber auf jedem Fall Frau Küper spätestens beim Frühstück was so los ist.
Wir stehen auf Baltrum seltsamerweise schon früh auf. Wahrscheinlich, weil wir möglichst viel vom Tag und der Insel haben wollen.
Dann gibt es bei Familie Küper ein köngliches Frühstück und spätestens um 09.30 Uhr sind wir mit der Wegzehrung im Rucksack draußen. Wir gehen immer am Strand (Richtung Osten) los, um die Insel zu umrunden. Am Strand ist es so schön, dass ich davon nie genug bekommen kann. Jeden Tag sieht es dort anders aus! Wenn der Wind über den Strand fegt sieht es aus als würden Nebelschwaden umherziehen, so fein ist der Sand der umherweht. Die Gezeiten zaubern die allerschönsten Muster in den Sand und die Muscheln sehen aus, als hätten sie jede ein Podest für sich.
Vor einem liegt der weite Strand, der aussieht als wäre er endlos lang. Die Möven sitzen in Scharen am Wasser und scheinen einen zu begleiten. Immer wenn man sich nähert fliegen sie ein Stückchen weiter, um sich dann einen neuen Platz am Wassersaum zu suchen. Sie lassen sich kreischend nieder und laben sich an kleinen Krebsen und Muscheln. Verschiedene Arten sind zu sehen - z. B. Silbermöwe, Lachmöwe, Dreizehenmöwe, Sturmmöwe-.
Die Strandläufer tragen zu Recht ihren Namen. Sie flitzen die ganze Zeit vor einem herum und lassen sich bei ihrer Futtersuche nicht stören.
Manchmal hat man Glück und sieht einen Krebs, der den Möwen entkommen ist. Wenn er sich angegriffen fühlt, dann stellt er seine Scheren auf und sieht fast ein wenig Angst einflößend aus.
Wenn ich am Strand entlanglaufe, muss ich mich manchmal richtig zwingen auch mal nach vorne zu schauen. Denn alles was am Wasser so herum liegt, scheint meinen Blick immer wieder magisch anzuziehen. Die Vielzahl der Muscheln lässt sich kaum beschreiben, da wirklich jede anders aussieht. Eigentlich dachte ich, dass ich schon jede Muschel einmal zu Hause habe. Was die Art betrifft, stimmt das wohl auch. Aber ich finde immer wieder eine, die sich doch noch von der eigenen Art abhebt.
Die Maserungen auf den Wellhornschnecken finde ich besonders interessant. Ich frage mich immer wie lange das Meer und der Sand wohl brauchen, um diese Muster zu erschaffen. Es ist schon toll, was die Natur hervor bringt. Und noch viel schöner ist es, dieses zu entdecken. Apropos entdecken, ich habe ja noch gar nicht vom Bernstein -das Gold der Meere- erzählt, den ich gefunden habe. Ja, das war so:
Anfang März 2001 waren mein Mann und ich das erste Mal im 'fast noch Winter' auf Baltrum. Als wir uns morgens beim Bäcker Brötchen holten, kamen wir mit der freundlichen Bedienung ins Gespräch. Sie erzählte uns, dass heute ein guter Tag zum Bernstein suchen wäre.
Wir fragten warum, denn wir hatten bisher nicht gewusst, dass er auf Baltrum zu finden ist. Nun war meine Neugierde jedoch geweckt, da ich noch nie im Leben welchen gefunden hatte.
Sie erzählte uns, dass der Ostwind günstig war und da auch noch die Sonne schien, sollte man es besonders gut sehen bzw. finden können in dem 'schwarzen Zeug'.
Wir fragten welches schwarze Zeug sie wohl meint. Da lächelte sie, denn nun war auch ihr klar, dass wir keinen blassen Schimmer hatten wovon sie redet. Es war ihr eine Freunde uns zu erklären, was es mit dem 'schwarzen Zeug' auf sich hat. Es ist nämlich so, dass Bernstein sehr leicht ist und dieses 'schwarze Zeug' ebenfalls, da es sich um altes Holz handelt. Es wird dann zusammen angespült und wenn dann die Ebbe einsetzt, bleibt der Bernstein darin hängen und wartet von uns gefunden zu werden. Sie meinte noch, dass bestimmt welcher am Hafenstrand zu finden sei.
So sind wir also total motiviert losgezogen um Bernstein zu suchen. Auf den Rat der Bedienung haben wir selbstverständlich gehört und unseren Inselrundgang an jenem Tag am Hafen begonnen. Ja und tatsächlich, da lag es überall an der Wassergrenze die die Ebbe zurückgelassen hatte - das 'schwarze Zeug'. Gleich machten wir uns auf den Weg - gegen die Sonne suchend.
Herrlich, mit welch einer Begeisterung wir herumstocherten und suchten. Mir taten bald die Augen weh, denn es ist ganz schön anstrengend im Wind gegen die Sonne zu starren. Außerdem wusste ich zu dem Zeitpunkt ja auch gar nicht so recht nach was ich Ausschau halten muss. Also starrte ich weiter nach allem was wie Bernstein aussah. Ständig hatte ich alles mögliche was zwar rot, aber dennoch kein Bernstein war, in den Fingern. Immer wieder 'Schade wieder nichts'!
Es ist halt keine Garantie, immer im 'schwarzen Zeug' etwas zu finden, denn die Strömung und der Wind sind auch wichtige Faktoren.
Ein wenig enttäuscht zogen wir irgendwann weiter, in der Hoffnung irgendwo am Strand noch mehr von dem 'schwarzen Zeug ' zu finden (die Bedienung hatte sich ja vielleicht getäuscht).
Wir gingen wie gewohnt am Strand entlang und genossen die schon von mir beschriebenen Eindrücke. Und tatsächlich, schon ziemlich weit hinten am Strand -in Höhe des Seezeichens in den Dünen-, da lag noch viel mehr von dem 'schwarzen Zeug'.
Wir freuten uns und fingen sogleich mit der Suche an. Heiko, mein Mann, ist dann auch schnell fündig geworden. Und so habe ich erstmals sehen können, nach was ich eigentlich suchen muss.
Es war zwar mehr ein Splitter, als ein Stein - aber immerhin Jipiheee!!!
Frisch motiviert suchten wir natürlich weiter - denn wo einer liegt, da liegt bestimmt auch ein zweiter oder dritter!? Ich weiß nicht mehr genau wie lange wir gesucht haben, aber als wir jeden qm durchkämmt hatten und meine Augen schon tränten, hatten wir in unseren Tempotaschentücher-Tüten eine stattliche Anzahl von Bernstein in den unterschiedlichsten Größen. Von sehr winzig, über gut sichtbar bis kieselsteingroß war alles dabei.
Ich fand es so toll, dass ich jetzt wo ich darüber schreibe immer noch lächeln muss. Ist doch toll wie man sich über so kleine Dinge freuen kann - oder?!
Wir haben seitdem jedes Mal auf Baltrum Bernstein gefunden und inzwischen sind auch Steine dabei, auf die wir wirklich stolz sind. Aber was noch toller ist als Bernstein finden, ist, dass ich den Kopf nie so frei habe wie beim Suchen. Da ist einfach nur Ruhe und Gelassenheit in mir und ich wünsche mir für den nächsten Tag wieder viel 'schwarzes Zeug'!!!

Wie ich schon sagte, vom Strand bekomme ich nie genug. Doch der ist selbst auf Baltrum einmal zu 'ENDE'.
Am Ostende angekommen, im Seegatt zwischen Baltrum und Langeoog -dem Accumer Ee- gibt es nur zwei Möglichkeiten. Entweder die Gezeiten lassen es zu, dass wir die kleine Landzunge umrunden können, oder wir gehen direkt über die letzte Düne in Richtung Wattseite.
Wenn es möglich ist, gehen wir selbstverständlich über die Landzunge, um die Vögel zu beobachten, die dort ungestört ihrer Futtersuche nachgehen. Manchmal sieht man auch Seehunde, die einen mit ihren großen Augen ansehen, aber dann doch lieber das Weite suchen. Diese Geschöpfe sind einfach nur süß!!! Wer hat schon so eine niedliche Schnute?!
Ich nehme es immer ganz bewusst war, dass es nur die Gezeiten zulassen, dass ich dort sein kann. Überhaupt bestimmen sie was man von der Insel sehen kann und was nicht.
Wenn man bei Ostwind am Strand entlang geht, bläst einem der Wind direkt ins Gesicht und manchmal brennt uns das Gesicht davon. Dann ist es eine Wohltat, wenn man über die letzte Düne geht und erstmal Windstille herrscht.
Plötzlich ist es so ruhig - kein sausen in den Ohren. Was man hier sieht ist komplett anders, als vor der Düne.
Langes Schilf säumt den Weg und die Dünen sind dicht mit Strandhafer bewachsen. Zu dieser Jahreszeit sind die Wege oft überschwemmt und man muss sich einen Weg suchen, um keine nassen Füße zu bekommen.
Hier auf der Wattseite hört man verschiedene Vögel singen und rufen. Mit dem Fernglas lassen sie sich auch gut beobachten (Rohrweihe, Falke, Brandgans, Graugans, Eiderente, Uferschnepfe, Küstenseeschwalbe, Säbelschnäbler, Kiebitz, Sandregenpfeifer, Fasan usw.). Auch sind einzelne Rehe, selten ein ganzer Sprung, zu sehen.
Bei der ersten Wetterhütte machen wir Rast und trinken heißen Tee (....mit Rum)! Bei gutem Wetter scheint die Sonne genau auf die Hütte und man kann die schon kräftigen Sonnenstrahlen genießen.
Nachdem wir uns gestärkt haben geht es weiter. Im März blüht ja nicht wirklich etwas, aber trotzdem ist es schön durch diese Landschaft zu schlendern und den Vögeln zuzuhören. Ich finde den Ausblick von der Aussichtsdüne beim BK-Heim besonders schön. Von hier kann man quer über die Insel bis zur See schauen. Man sieht jetzt auch sehr gut wie unterschiedlich grün, braun und auch rötlich alle Pflanzen sind. Das ist ein wunderschönes Farbspiel, bis hin zu den weißen Schaumkronen am Horizont. Auch das verschlafen wirkende Ostdorf ist sehr schön von hier oben. Die alten Häuschen sind richtig urig und könnten sicher viele Geschichten erzählen.
Im Cafe Kluntje kann man sich gut vorstellen, wie es in den Häusern einmal aussah. Hier lassen wir uns eine große heiße 'Tote Tante' (Schokolade mit Rum) schmecken, bevor wir unseren Weg durch das Ostdorf fortsetzen. Manchmal gehen wir anschließend durchs Westdorf weiter, zurück zu Küpers, oder wir gehen hoch zur Promenade und dort entlang, um noch mal auf die See zu schauen. Jetzt sieht es hier ja schließlich schon wieder ganz anders aus, als heute morgen.

Zurück auf unserem Zimmer erholen wir uns ein wenig von unserem Marsch. Wir sind so angenehm "kaputt" und fühlen uns pudelwohl.
Am Nachmittag gehen wir wieder raus und laufen zum Hafen, um zu sehen was dort los ist. Wenn man Glück hat, hat die Lastenfähre angelegt und man kann beim Löschen der Ladung zusehen.
Die Pferdewagen werden beladen und ziehen dann kraftvoll los, um die Waren auszuliefern. Die Pferde leisten wirklich viel auf Baltrum, und sie haben sich ihre Portion Hafer am Abend redlich verdient.
Apropos "essen", uns knurrt allmählich auch der Magen und so schlendern wir -noch einmal gut durchgeweht- zurück, um uns für den Abend fertig zu machen (so eine heiße Dusche kann ja herrlich sein).
Wenn wir zum Essen gehen, genießen wir noch einmal den Blick auf die See und meistens einen wunderschönen Sonnenuntergang. Ich muß wohl nicht erwähnen, daß es davon reichlich Bilder in meiner Sammlung gibt!
Nachdem wir in einem unserer Lieblingsrestaurants gut gegessen haben, gehen wir meistens noch in eine `Kneipe´, um den Abend bei ein paar leckeren Bierchen ausklingen zu lassen.
Wie schön, wenn man dann "bis morgen" sagen kann, weil man noch nicht nach Hause fährt.... Dann kuscheln wir uns ins Bett und freuen uns auf den nächsten Tag. Was es wohl morgen zu entdecken gibt??


Die Baltrum III - Ankunft im Baltrumer Hafen
Blick auf den befestigten Westkopf
Der Strand
Mein 'Baltrumer Bernstein'
Am Ostende
Die Wattseite
Das Wetterhäuschen
Blick von der Aussichtsdüne

Cafe'-Bar Skippers´ Inn -Westdorf-
Cafe Kluntje -Ostdorf-
Marktplatz mit Kurverwaltung
Die Inselglocke - Wahrzeichen Baltrums
Die "Baltrum-Zugmaschinen"-
Pferd und Fähre
Altes Insulanerhaus
Kite-Surfen - März 2007

Die "Backskiste" -Westdorf-
Nautilus -Ostdorf-
Die alte Inselkirche mit den Inselglocke
Die alte Schule neben der Inselglocke
Beladung eines "Baltrum-LKW"
Der Hafen im Winter
Insulanerhaus im Westdorf
Die Surfer vom Surferhus